
Gutach – Während zahlreiche Unternehmen ihre Investitionen aufgrund der internationalen Finanzkrise stoppen, dreht die Wasserkraft Volk AG aus dem badischen Gutach den Geldhahn auf. Mehr als 15 Millionen Euro investiert das Unternehmen, das seit nahezu 30 Jahren Wasserkraftturbinen in alle Welt liefert, in eine neue Generatorenfabrik. Jüngst fand der erste Spatenstich für die rund 4.000 Quadratmeter große Generatorenfabrik statt – unter anderem finanziert durch Mittel aus der laufenden Kapitalerhöhung. Deutliche Kritik übte Firmengründer Manfred Volk am Verhalten der Politiker angesichts der Finanzkrise.Papua-Neuguinea, Ecuador oder Nepal sind nur einige von insgesamt 40 Ländern, in die die Wasserkraft Volk AG aus dem badischen Gutach ihre Wasserkraftturbinen bisher geliefert hat. Mehr als 500 sind es seit der Gründung im Jahre 1979 geworden und die Nachfrage ist hoch. Zurzeit befinden sich in den Auftragsbüchern Bestellungen über rund 100 Megawatt und einem Wert von über 30 Millionen Euro. Denn Wasserkraftturbinen sind gerade in Schwellenund Entwicklungsländern stark gefragt. So liegt die Exportquote des Unternehmens bei über 95 Prozent. Um noch besser auf die hohe Nachfrage reagieren zu können, hat sich die nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft dazu entschlossen, auf rund 4.000 Quadratmetern Deutschlands erste Spezialgeneratorenfabrik für Wasserkraftanlagen zu bauen.Nach langen Vorbereitungen fand jüngst der Spatenstich für das seit Jahren größte Bauprojekt im strukturschwachen Elztal, nördlich von Freiburg, statt. Mindestens 35 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. In den letzten fünf Jahren wurden bereits 60 neue geschaffen, der Umsatz auf mehr als 14 Millionen Euro verdoppelt. Finanziert wird das Bauvorhaben über die Beteiligungen an der bis Ende Januar 2009 laufenden sechsten Kapitalerhöhung. In Zeiten großer Verunsicherung ist die Nachfrage nach Alternativen abseits der Börsen groß. „Wir bemerken, dass sehr viele Neuaktionäre großen Wert darauf legen, lieber langfristig, dafür aber sicher zu investieren. Darüber hinaus erfüllen wir mit unseren Wasserkraftanlagen den Anspruch einer ökologischen Nachhaltigkeit“, so Volk. Etwas mehr als die Hälfte der Aktien seien bereits gezeichnet worden.Dass viele Bürger verunsichert seien, bringt den WKVAufsichtsratsvorsitzenden in Rage. „Die Politiker haben eine gewaltige Mitschuld an der Stagnation und der großen Angst, die momentan in der Wirtschaft und in der Bevölkerung herrscht. Im Jammern und den gegenseitigen Schuldzuweisungen sind sich die Politiker gleich.“ Mit großem Unverständnis kommentiert Mittelständler Volk die jüngsten Äußerungen der Bundeskanzlerin. Es sei Aufgabe der Kanzlerin, Optimismus zu verbreiten und nicht davor zu warnen, dass alles im nächsten Jahr noch viel schlimmer werde. „Jeder Unternehmer könnte mit dieser Einstellung seinen Betrieb schließen“, so Volk. Handeln und nicht Abwarten sei jetzt gefragt, so wie es der künftige US-Präsident Obama vormache. Das Prinzip des Handelns verfolgt auch der Schwarzwälder Turbinenbauer unbeirrt weiter. Mit der Generatorenfertigung wird eine äußerst günstige Wettbewerbsposition auf dem internationalen Markt geschaffen. Nur noch wenige Hersteller würden den Bau von Sondergeneratoren bedienen, sondern sich vielmehr Standardgeneratoren zuwenden. Lange Lieferzeiten und hohe Preisaufschläge seien die Folge. Mit der eigenen Fertigung mache sich das Unternehmen hiervon dauerhaft unabhängig. Als weiteren positiven Effekt sieht WKV-Gründer Volk die Entwicklung eines zweiten Standbeines für das Unternehmen, da mit relativ wenig Aufwand auch Generatoren mit bis zu 80 Tonnen Stückgewicht für Wind- und Biomasseanlagen geliefert werden können. Erste Anfragen potenzieller Kunden gäbe es bereits.Manfred Volk hat sich vorgenommen, demnächst möglichst viele Politiker nach Gutach einzuladen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel war schon da – und zeigte sich beeindruckt. „Nicht die Großkonzerne und Börsenzocker müssten politische Beachtung finden, sondern der Mittelstand, denn dieser ist die stärkste Wirtschaftssäule in unserem Land und der Jobmotor schlechthin“, verdeutlicht Volk. Hier werde nicht gejammert, sondern angepackt.
Wasserkraft Volk AG
Christoph Lippay
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