Siemens und E.ON Kraftwerke errichten am E.ON-Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg bei Hanau eine Pilotanlage zur CO2-Abscheidung. Damit treiben die beiden Unternehmen die Entwicklung eines Verfahrens zur klimaverträglichen Stromerzeugung aus Kohle weiter voran. Am steinkohlebefeuerten Block 5 des Kraftwerks soll unter realen Einsatzbedingungen ein bereits im Labor erprobtes Verfahren eingesetzt werden. Die Pilotanlage soll im Sommer 2009 in Betrieb gehen. Auch in Zukunft wird der weiterhin rasch wachsende Strombedarf nicht ohne fossile Energieträger wie Kohle oder Erdgas gedeckt werden können. Die Herausforderung besteht darin, die mit fossilen Brennstoffen einher gehenden CO2-Emissionen erheblich zu reduzieren. Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu. Sie müssen für den Einsatz in Großanlagen erprobt, weiterentwickelt und zur Marktreife gebracht werden. Bei dem Post-Combustion-Capture-Verfahren von Siemens wird das CO2 nach der Verbrennung durch spezielle Reinigungssubstanzen aus dem Rauchgas eines Kraftwerks entfernt, bevor die Gase über den Schornstein in die Atmosphäre gelangen. Ein Vorteil dieser Technologie liegt darin, dass sie sich gut mit dem bekannten und weit entwickelten Dampfkraftwerksprozess kombinieren lässt. Siemens entwickelt diese Technologie bereits seit mehreren Jahren im Industriepark Frankfurt-Hoechst. Dieses Verfahren zeichnet sich unter anderem durch gute Umwelteigenschaften, einen vergleichsweise niedrigen Energieverbrauch und nur geringen Verlust bei der eingesetzten Reinigungssubstanz aus. Mit der Pilotanlage kommen jetzt die chemische Langzeitstabilität dieser Substanz und die Effektivität des Prozesses unter realen Kraftwerksbedingungen auf den Prüfstand. Parallel dazu wird die Technologie hinsichtlich ihres Energiebedarfes weiter optimiert. Die Pilotanlage wird mit einer Teilmenge aus dem Rauchgas von Block 5 gefahren. E.ON Kraft- werke und Siemens beabsichtigen, die Testanlage am Standort des Kraftwerks Staudinger bis Ende 2010 zu betreiben. Das Vorhaben wird vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der COORETEC-Initiative gefördert. Sie ist Teil des 5. Energieforschungsprogramms "Innovation und Neue Energietechnologien" der Bundesregierung und fördert die Forschung und Entwicklung CO2-emissionsarmer Kraftwerkstechnologien. „Aufgrund der umfassenden Erfahrung sowohl bei der chemischen Prozessentwicklung als auch im Kraftwerksbau verfügt Siemens über beste Voraussetzungen für die erfolgreiche Entwicklung eines effizienten CO2-Abscheideverfahrens“, sagte Michael Süß, CEO der Division Fossil Power Generation von Siemens Energy. „Die Ergebnisse und Betriebserfahrungen aus der Pilotanlage bilden die Basis für große Demonstrationsanlagen, die ab Mitte des nächsten Jahrzehnts den Be- trieb aufnehmen sollen.“ „Als einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz plant E.ON die großtechnische CO2- Abscheidung und -Speicherung für Kohlekraftwerke ab 2020. Der Betrieb dieser Pilotanlage gemeinsam mit Siemens ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg“, sagte Gerhard Seibel, der für den Neubau bei E.ON Kraftwerke verantwortliche technische Geschäftsführer.
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